Letzte Änderung: 11.09.2017 10:35 Uhr

Siebengebirgs-Wanderung

Samstag - 02.09.2017

Bei unserer kulturellen Veranstaltung konnten wir die Schönheit unserer Heimat kennenlernen und bei einer geführten Wanderung durch das Nachtigallental neues Wissen und Anekdoten erlangen.

Siebengebiergs Wanderung 2017

Nach dem Besuch des EL-DE-Haus in Köln vor zwei Jahren haben wir beschlossen, regelmäßiger kulturfördernde Veranstaltungen durchzuführen, um interessierten Mitgliedern eine neue Seite der Bruderschaft zu bieten. Und auch in diesem Jahr haben sich schnell Verantwortliche gefunden, die den Tag gestalten wollten. Dank Kontakte innerhalb einer Familie bot sich Gaby Limberger-Klein an, mit uns eine Wanderung durch das Siebengebirge durchzuführen. Als Frau des Mitautors vom Buch "111 Orte im Siebengebirge, die man gesehen haben muss" war sie prädestiniert, uns neue Informationen über unsere Heimat in lockerer Atmosphäre zu vermitteln.

So trafen wir uns Samstagmittag am Eingang zum Nachtigallental, um gut gelaunt und mit genügend Proviant ausgerüstet, bergauf zu wandern. Bereits auf dem kleinen Stück bis zur ersten Wegabzweigung lauschten wir gespannt den Erzählungen von Gaby. Ob zu Gesteinsarten oder ehemaligen Weinbergen und dem Winzerkeller von 1867, jeder konnte dabei etwas Neues erfahren. Vom Nachtigallental in Richtung Wintermühlenhof durften wir durch die Hölle gehen, die nach dem dortigem Vulkangestein benannt ist. Uns beeindruckte der Weg durch den 20 Meter tiefen Einschnitt in den Gesteinsmassen, welcher früher zur Abfuhr von Gesteinen diente.

Nach einiger Zeit erreichten wir die Reste der Brücke am Pottscheidt. Eigentlich wollte hier der 4711-Fabrikant Ferdinand Mühlens noch im Jahre 1900 ein Nobelhotel erbauen. Doch aufgrund komplizierter Grundbesitzrechte wurde das Projekt abgebrochen, nur die Brücke blieb erhalten. Über die prächtige Kastanienallee, auf der bereits das erste Herbstlaub lag, wanderten wir zu den Ofenkaulen.

An der ersten Höhle der Ofenkaulen angekommen, erzählte uns Gaby die Geschichte von Dieter Freese, einem Bankräuber und Mörder, der sich 1962 auf der Flucht befand und Unterschlupf in den Ofenkaulen gesucht hatte. Da sie nicht nur einen Zeitungsartikel dazu vorgelesen hat, sondern sogar noch von Zeitzeugen berichten konnte, hatten wir eine Vorstellung, in welcher Aufregung ganz Königswinter gewesen sein muss.

Vor dem nächsten Höhlenportal legten wir eine längere Pause ein. Wir räumten die Steine zu einer Sitzgruppe zusammen, denn das Königspaar Martin Schmitz und Viviana Pettineo hatte diverse Kleinigkeiten zu Essen vorbereitet.Parallel dazu berichtet Gaby von der Nutzung der Ofenkaulen im Zweiten Weltkrieg. So erfuhren wir, dass in den Höhlen zahlreiche Zwangsarbeiter unter unmenschlichen Bedingungen Flugzeugteile herstellen mussten, aber auch dass die Bevölkerung von Königswinter sich in den Ofenkaulen vor den Bombenangriffen geschützt haben. Es wurden Bilder von damals herumgereicht und Gedichte von Gefangenen vorgetragen, um mit dem nötigen Respekt ein Gefühl für die dramatische Situation damals zu entwickeln. Sichtlich nachdenklich verließen wir den Vorplatz der Ofenkaulen, am Milchhäuschen vorbei, bis hin zur Drachenburg.

Siebengebiergs Wanderung 2017

Nachdem wir dort den Burghof betrachtet haben, der bereits seit 1984 leer steht, sowie die daneben grasende Herde Schafe und einen Esel ein wenig aufgemischt haben, machten wir uns auf den Rückweg ins Tal. Wir entschieden uns gegen eine Fahrt mit der Drachenfelsbahn - Das Wetter war noch gut und wir hatten noch ausreichend Energie. Wir gingen erneut durch das Nachtigallental, schauten uns diesmal jedoch das Willi Ostermann Denkmal sowie den alten Winzerkeller genauer an. Erst als wir wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen waren, fing es an zu regnen. Ein eindrucksvoller und interessanter Nachmittag ging zu Ende und wir bedanken uns bei Gaby, die auf jede unserer Fragen eine Antwort hatte und die Geschichten aus dem Siebengebirge so anschaulich und authentisch erzählen konnte.

Den Junggesellen, die leider nicht an der Wanderung teilnehmen konnten, aber auch allen anderen sei an der Stelle das bereits oben genannte Buch "111 Orte, die man im Siebengebirge gesehen haben muss" empfohlen. Selbst welche, die bereits lange in dieser Heimat wohnen, finden in dem Buch bestimmt noch die ein oder andere eindrucksvolle Stelle im Siebengebirge.