Letzte Änderung: 05.06.2017 16:21 Uhr

Bruderschaft - Was bedeutet das?

Bruderschaft. Vor diesem Jahr wusste ich nicht genau, was dieses Wort eigentlich für eine Bedeutung hat. Nach diesem Jahr weiß ich es ganz genau.

Mit diesem Jahr ist mein Königsjahr gemeint, welches mit der Laurentiuskirmes in unserem wunderschönen Heimatort Oberdollendorf im August 2013 begann. Zuvor war ich schon einige Jahre Mitglied in dieser traditionsträchtigen Bruderschaft, beheimatet zu Fuße prächtiger Weinberge und dem naturbelassenen und ebenso wunderschönen Siebengebirge, der Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft 1659 Oberdollendorf e. V. . Der Grund für meinen Eintritt in diese Bruderschaft waren viele Freunde, die ebenfalls, vielmals schon einige Jahre, Mitglied waren und die Faszination der Kirmes - so viele Menschen kommen zusammen um die Paraden, das Vogelschießen, die Krönung zu bestaunen, Jahr für Jahr. Als ich dann im besagten August des letzten Jahres im Schießstand im Weingut Sülz stand, sich der Geräuschpegel mehrerer hundert Menschen zu einer einzigen Stille wandelte, ich meinen Schuss abfeuerte und der Vogel fiel, überwog die Freude. Im gleichen Moment spürte ich allerdings auch die Unsicherheit. Die Unsicherheit darüber, was jetzt kommen würde. Ich war König dieser Bruderschaft, eine Ehre. Ich reihte mich ein in eine schier nicht enden wollende Liste verdienter Bürger unseres Heimatortes, welche vor mir diese Würde erlangen konnten. Und jetzt ich. Der, der viel weniger über diese Bruderschaft wusste, als viele andere. Der, der die Jahre zuvor meist nur auf den Veranstaltungen war, auf die er Lust hatte und die keine Verpflichtungen mit sich brachten. Ich stand da und nahm mir vor, in meinem Königsjahr überall dabei zu sein, das Wirken der Bruderschaft ein Jahr lang genau kennenzulernen und der Bruderschaft, der Gemeinschaft so viel zu geben, wie es mir möglich ist.

Und so besuchten wir die Kirmes in Oberkassel, Pützchens Markt, den Schützenball, die Kirmes in Niederdollendorf, das Winzerfest und waren ebenso auf dem Stiftungsball in Königswinter, wie auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn. Ich organisierte außerdem viele Aktionen, wie Fußballgolfspielen in Vinxel, eine Tannenbaumtour durchs Dorf, auf der der schönste Tannenbaum unserer Bruderschaftsmitglieder von uns gewählt wurde, oder eine Silvesterparty, um nur einiges zu nennen.
Ich war erstaunt, wie viele Jungs dabei waren und auch immer wieder „neue“ Gesichter dazukamen, mit denen man vorher nicht viel zu tun hatte. Und so ging es allen. Wir wurden immer mehr zu einer eingeschworenen Einheit. Allerdings nicht zu einer solchen, die sich nach außen hin abschottet, sondern, ganz im Gegenteil, offen für jedermann ist. Und so war ich auch das erste Mal bei unserer jährlichen Altenaktion dabei, bei der wir ehemalige Gemeindemitglieder in den umliegenden Altenheimen besuchen und Ihnen Weihnachtswünsche überbringen. Eine neue, beeindruckende Erfahrung für mich. Wie sehr sich die älteren Damen und Herren doch über einen Besuch von ihnen doch eigentlich wildfremden Menschen gefreut haben und wie gastfreundlich sie trotz der der Gegebenheiten entsprechend eingeschränkten Bedingungen waren und uns sofort einen Platz in ihrem Zimmer und ab und an sogar etwas von ihrem gerade zubereiteten Essen angeboten haben. Wir hörten Geschichten von früher und blieben auch mal etwas länger.

Es war einerseits erschreckend, dass es doch so viele Menschen gibt, die fast niemanden mehr haben, allerdings andererseits auch wirklich beeindruckend, was für einen Lebensmut und eine Wärme sie dennoch in sich tragen. Es war schön, dass wir diesen Menschen, allein durch unsere Anwesenheit und unser Interesse etwas geben konnten. Und wir bekamen etwas zurück. Eine weitere gemeinsame Aktion war unser Bettelgang durch Oberdollendorf, bei dem wir Spenden für von uns zuvor ausgewählte Projekte zugunsten hilfsbedürftiger Menschen sammelten. Dabei ist einiges zusammenkommen, wofür wir uns auch hier noch einmal bedanken möchten. Wir feierten zusammen den Sebastianustag , ebenso wie Karneval oder Rhein in Flammen und halfen beim Miteinander in Heisterbach.

Im Frühling diesen Jahres gingen dann die Kirmesvorbereitungen los. Ich hätte nie gedacht, wie komplex und umfangreich die Planung und Durchführung unserer Laurentiuskirmes doch ist. Es ist fast so, als wenn wir ein kleines Unternehmen zu führen hätten, nur mit dem Unterschied, dass man das alles neben seiner eigentlichen Tätigkeit, ob Beruf, Schule oder Uni, erledigen muss. Und so hatte unser Vorstand, bestehend aus zehn jungen Menschen, meist um die zwanzig Jahre alt, plus unserem Pfarrer und Präses Dariusz Glowacki, alle Hände voll zu tun. Da auch wir in den letzten Jahren mit steigenden Preisen zu kämpfen hatten, stellten wir dieses Jahr alles auf den Kopf und prüften jede noch so auf den ersten Blick unwichtige Kleinigkeit. In der Planung wurde uns viel Hilfe, von nicht mehr so aktiven oder auch ehemaligen Bruderschaftsmitgliedern, wie auch von anderen Mitbürgern angeboten. Wir nahmen uns jeden Vorschlag und Rat zu Herzen.

Durch den unglaublichen Einsatz unserer Bruderschaftsmitglieder, wie der Hilfe von ganz vielen anderen Menschen aus dem Dorf, ob es selbst gemachte, gespendete Salate waren, welche wir beim Vogelschießen verkauft haben, das spontane Einspringen bei einer Grill- oder Thekenschicht im Festzelt und so vielen unzähligen Dingen, haben wir dieses Jahr mit ihnen zusammen mit viel Schweiß und Kraft eine - das können wir jetzt sagen - sehr tolle Laurentiuskirmes auf die Beine gestellt. Außerdem gilt es noch einmal die sehr, sehr tolle Spendenbereitschaft der Menschen in Oberdollendorf hervorzuheben, welche uns bei unserer Kirmeshaussammlung sehr viel Unterstützung zukommen lassen haben. Genau dies gilt auch für alle, die mit uns Kirmes gefeiert haben und uns durch den Kauf von Getränken und Speisen ebenso unterstützten. All das so zusammengekommene Geld investieren wir in unsere Laurentiuskirmes, das Festzelt, die Musik in den Festzügen, so wie im Festzelt, die Miete für die Getränke- und Kühlwagen und all das, was noch benötigt wird, um so ein Fest auszurichten.

Abgesehen von der finanziellen Unterstützung ist es unglaublich, dass Jahr für Jahr so viele Menschen zu unseren Paraden, zum Vogelschießen, der Krönung kommen, gerade in der heutigen, immer schneller und auf die persönlichen Vorteile bedachten Zeit. Dieses Miteinander, diese Gemeinschaft im gesamten Dorf, aber auch über die Dorfgrenzen hinweg in die umliegenden Dörfer, ist etwas ganz besonderes. Dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken, im Namen der gesamten Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft Oberdollendorf. Ohne Sie wäre all dies nicht möglich.

In diesem einen Jahr sind wir in der Bruderschaft als Gemeinschaft so zusammengewachsen, wie man es vielleicht nach ein paar Jahren aus einer Schulklasse kennt, in der man jeden Tag mehrere Stunden miteinander verbringt. In diesem einen Jahr war jeder für den anderen da, ob mit ein paar Händen beim Umzug oder ein paar hilfreichen Worten, wenn es jemandem nicht so gut ging. Jeder wurde aufgenommen, egal wie alt, ob 16 oder 36, egal welches Aussehen, egal welche Kleidung, egal welcher Musikgeschmack, egal welche Herkunft, egal welche Bildung, egal welche Weltanschauung. Es gab keinen ernsthaften Streit, keine Ausgrenzung. Jeder hat sich als Teil des Ganzen gesehen. Alle waren gleich. Alle waren Brüder.

Meine Unsicherheit, von der ich zu Beginn geschrieben habe, ist, wie Sie an meinen Worten erkennen können, schnell verschwunden. Es war und ist mir eine Freude, meinen Teil zu dieser Bruderschaft, dieser Gemeinschaft beizusteuern, welche mit viel Kraft und Herz viele ehrenamtliche Aktionen durchführt, einige Traditionen unserer Vorfahren zu bewahren versucht und durch die Laurentiuskirmes für Jung und Alt ein Zentrum für Geselligkeit und Miteinander ist.

Ich bin stolz ein Teil dieser Gemeinschaft sein zu dürfen und ich weiß jetzt, was Bruderschaft bedeutet.

Geschrieben von Daniel Otto,
2013 König der Sankt Sebastianus-Junggesellen-Bruderschaft 1659 Oberdollendorf e. V.